Das wiedergefundene Licht

Die Lebensgeschichte eines Blinden im französischen Widerstand

Nach einer Kindheit, wie er sie sich besser nicht hätte wünschen können, voller Liebe und Geborgenheit, Vertrauen und Wärme, Natur und Abenteuer, trifft den 8-jährigen Jacques ein schweres Unglück. Er verliert das Augenlicht und gilt fortan als Blinder.

Für ihn selbst war das nur kurz tragisch, eher schicksalshaft, denn er konnte als Achtjähriger seine Lebensumstände gut so akzeptieren, wie sie waren, und offen und neugierig weiterleben. Nicht nur das, er entdeckte in seiner anfänglichen Finsternis das Licht wieder und lebte fortan in einer starken Verbindung seiner Innenwelt mit der Außenwelt. Er erlebte sie als Einheit. Alle seine anderen Sinneseindrücke schärften sich, sie bereiteten ihm Eindrücke von der Welt, die er verglich mit dem Lesen eines Romans, wo bei der Lektüre ebenfalls bei guten Lesern der Inhalt in Bildern auftaucht. Nur, seine Bilder entsprachen der Wirklichkeit der materiellen Welt, waren objektiv.

Neben seinen besonders ausgeprägten Sinnesfähigkeiten besaß er auch ein außerordentliches Gedächtnis, das es ihm dann nach der Besetzung von Paris durch deutsche Truppen ermöglichte, im Alter von nur fünfzehn, sechzehn Jahren eine Untergrundbewegung aufzubauen. Aufgrund des Klanges der Stimme konnte er die moralische Gesinnung des anderen Menschen wahrnehmen. In einem einzigen Fall zog er aus seinem berechtigten Zweifel den falschen Schluss und wurde denunziert. Anschließend wurde er so wie viele andere verhaftet, verhört, gefoltert und schlussendlich nach Buchenwald gebracht. Dort überlebte er als einer von ganz wenigen.

Eine Lebensgeschichte, die zeigt, wie man mit christlicher Liebe und Herzenswärme, aber auch mit enormer Arbeit an sich selbst und natürlich mit der Hilfe von Mitmenschen nicht nur härteste Lebensprüfungen bestehen, sondern auch selber zum Helfer und Rettungsanker für viele Mitmenschen werden kann.
Zum Abschluss noch ein Zitat, das ein wichtiger Beweggrund für sein mutiges Handeln war:
„Gott ist Leben, und alles, was das Leben antastet, ist gegen Gott.“

Dank Jacques Lusseyran kann der Leser dem Vertiefen des Menschseins gerade in der heutigen Zeit wieder ein Stück näher kommen.

Jacques Lusseyran
Das wiedergefundene Licht
dtv, 1. Auflage, 1989

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