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von einer Persönlichkeit initiiert wurden?

Dr. Rudolf Steiner – ein universeller Denker, der – wenn er gefragt wurde – für alle Bereiche des Lebens Ideen hinterlassen hat.

Rudolf Steiner Leben

Lesen Sie hier seinen Lebenslauf, der neben den üblichen Angaben versucht, die Entwicklung des Begründers der Anthroposophie aufzuzeigen. Die kursiv geschriebenen Zitate stammen aus dem Buch: Rudolf Steiner, Mein Lebensgang, TB 636, Dornach 1983

Kindheit und Jugend

Rudolf Joseph Lorenz Steiner kommt am 25 Februar 1861 in Kraljevec, damals Österreich-Ungarn, heute liegt es in Kroatien, als erstes Kind des Eisenbahntelegrafisten Johann Steiner und seiner Frau Franziska Steiner, geborene Blie, zur Welt. Zwei Tage später wird er getauft.   Franziska Steiner

Johann SteinerDie ersten Lebensjahre hindurch erzieht fast ausschließlich die sehr ruhige Mutter das Kind, da der Vater Dienste leisten muss, die drei Tage und Nächte dauern, um dann für 24 Stunden frei zu haben.

Die Familie zieht 1862 um, da Johann Steiner nach Mödling versetzt wird. Nach nicht einmal zwei Jahren in Mödling wird der Vater Stationsvorsteher in Pottschach in Niederösterreich.

„Ich verlebte da die Zeit von meinem zweiten bis zu meinem achten Jahre. Eine wundervolle Landschaft umschloss meine Kindheit.“

Steiners Geschwister Leopoldine (1864) und Gustav (1866) kommen hier zur Welt. Rudolf Steiner besucht die Dorfschule.

„Ich glaube, dass es für mein Leben bedeutsam war, in einer solchen Umgebung meine Kindheit verlebt zu haben.“

Von den ärmlichen Verhältnissen, in denen er heranwächst, erwähnt er Zeit seines Lebens nur wenig.RS Kindheit

1866 Gerade in seinem siebenten Lebensjahr ereignet sich, was uns seine kindliche Hellsichtigkeit zeigt.

„Die Schwester meiner Mutter war auf tragische Art (Selbstmord) gestorben. Der Ort, an dem sie lebte, war ziemlich weit von dem unsrigen entfernt. Meine Eltern hatten keine Nachricht. Ich sah, sitzend im Wartesaal des Bahnhofes im Bilde das ganze Ereignis. Ich machte einige Andeutungen in Gegenwart meines Vaters und meiner Mutter. Sie sagten nur „Du bist a dummer Bua“. Nach einigen Tagen sah ich, wie mein Vater nachdenklich wurde durch einen erhaltenen Brief, wie er dann, ohne mein Beisein nach einigen Tagen mit meiner Mutter sprach und diese dann tagelang weinte. Von dem tragischen Ereignisse erfuhr ich erst nach Jahren.“

Ab diesem Zeitpunkt beginnt für den Knaben Rudolf Steiner „ein Leben in der Seele.“

„Ich unterschied Dinge und Wesenheiten, „die man sieht“ und solche, „die man nicht sieht.“

1869 wird der Vater wieder versetzt, und zwar nach Neudörfl im damaligen Ungarn, heutiges Burgenland, wo die Familie arm an Kontakten eher für sich wohnt. Sorgen um Gustav belasten die Familie, da das Kind, wie sich herausstellt, taubstumm und sinnesbehindert ist.

Land und Leute lernt Rudolf nur durch seine langen Spaziergänge kennen, wobei Mönche eines näher gelegenen Klosters besonders seine Aufmerksamkeit und sein Interesse erregen.

„Es war in meinem neunten Lebensjahre, da setzte sich in mir die Idee fest: Im Zusammenhänge mit den Aufgaben dieser Mönche müssen wichtige Dinge sein, die ich kennen lernen muss.“

Ständig trägt der Junge unbeantwortete Fragen mit sich, die ihn die ganze Kindheit über begleiten.  „Ja, diese Fragen über alles Mögliche machten mich als Knaben recht einsam.“

Steiner geht bis 1872 in die Dorfschule, in der er sich als Auswärtiger nicht in die Gemeinschaft einlebt. 

„Im Herbste sprach keiner von viel anderem, als von der Größe seiner Ausbeute an Nüssen. Wer am meisten erbeutet hatte, der war der Angesehenste. Und dann ging es stufenweise nach abwärts – bis zu mir, dem letzten, der als „Fremder im Dorfe“ kein Recht hatte, an dieser Rangordnung teilzunehmen.“

Besonders einprägsam erweist sich die Beschäftigung mit einem Geometriebuch, das ihm der Hilfslehrer aus Neudörfl leiht. In dieses vertieft er sich Wochen lang. 

„Rein im Geist etwas erfassen zu können, das brachte mir ein inneres Glück. Ich weiß, dass ich an der Geometrie das Glück zuerst kennen gelernt habe.“

Einen bleibenden Eindruck hinterlässt dann noch der Pfarrer. 

„Er kam einmal in die Schule, versammelte die „reiferen Schüler“, zu denen er mich rechnete, in dem kleinen Lehrerstübchen um sich, entfaltete eine Zeichnung, die er gemacht hatte, und erklärte uns an ihr das kopernikanische Weltsystem … Ich war ganz von der Sache hingenommen…“

„Am Stationstelegrafen lernte ich die Gesetze der Elektrizitätslehre zunächst in der Anschauung kennen. Auch das Telegrafieren lernte ich schon als Knabe.“

Dazu kamen erste autodidaktische Studien in Geschichte, Literatur und Mathematik.

Ab Oktober des Jahres folgte der Besuch der Realschule in Wiener Neustadt (damals ein Naturwissenschaftliches Gymnasium). Rudolf Steiner gefällt der naturwissenschaftlich-mathematische Unterricht wegen seiner, wie er sagt „Geordnetheit“ und „Durchsichtigkeit“, wo viele seiner Fragen, allerdings nicht seine übersinnlichen und hellsichtigen Erlebnisse betreffend, beantwortet werden.RS Jugend

Im Sommer 1876 bringt er sich selbst Stenografie bei. Ab Herbst gibt er Nachhilfestunden, zu denen er über das Lehrerkollegium als guter Schüler vermittelt wird.

Im Juli 1897 besteht Rudolf Steiner mit Auszeichnung die Matura. Sein Vater wird nach Inzersdorf bei Wien versetzt, damit Rudolf von dort aus die Hochschule besuchen kann.

Für den Erlös der alten Schulbücher werden philosophische gekauft. Daraufhin erfolgt das Eigenstudium Kants, Schellings, Hegels, Fichtes, Darwins und anderer. Es entstehen die ersten philosophischen Schriften.

Studienzeit in Wien 1879 – 1883

Rudolf Steiner beginnt ein achtsemestriges Studium an der Technischen Hochschule. Daneben besucht er die verschiedensten philosophischen Vorlesungen.

„Ich hielt mich damals verpflichtet, durch Philosophie die Wahrheit zu suchen.“

Für Steiner ist die – für alle anderen abstrakte Philosophie – die geistige Welt angeschaute Wirklichkeit. 

„Und so ging es mir damals überall mit meiner Anschauung von der geistigen Welt. Man wollte nichts von ihr hören.“

Wieder erlangt er als mittelloser Student vom Lande keinen Anschluss an bestehende Kreise, und so tut er sich hervor durch sehr gute bis vorzügliche Prüfungsergebnisse in Geschichte der Physik, Chemie, Mechanik, Geologie, Mineralogie, Botanik, Zoologie, Mathematik, Literaturgeschichte, Literatur, Staatsrecht, Rhetorik, Medizin und Philosophie.

Er verfolgt über öffentliche Parlamentsdebatten das politische Leben und wird Mitglied einer Studentenverbindung. Er verspürt früh, wie Hoffnungslosigkeit und Pessimismus sich breit machten.

„Alles, was später in Österreich immer mehr zur Zerbröckelung des Reiches führte, konnte damals in seinen Keimen erlebt werden.“

In dieser Zeit kommt es zu Begegnungen mit wichtigen Persönlichkeiten, die den weiteren Lebensweg Steiners prägen. Karl Julius Schröer macht ihn mit der deutschen Klassik, insbesondere mit Goethe bekannt, vom Heilkräutersammler Felix Koguzki kann Steiner viel lernen. 

„Dass das Ich, das selbst Geist ist, in einer Welt von Geistern lebt, war für mich unmittelbare Anschauung. Die Natur wollte aber in die erlebte Geisteswelt nicht hinein.“

Seinem eigentlichen spirituellen Lehrer, dessen Namen Steiner nicht preisgibt, begegnet er im Winter 1881/82 in einem Alter von 21 Jahren. Diese Begegnung muss ganz besonders gewesen sein, denn Eduard Schuré, dem Rudolf Steiner von dieser berichtet hat, kann sagen:

“Rasch ließ er ihn durch die verschiedenen Etappen der inneren Disziplin hindurchgehen, um ihn auf die Stufe des bewussten und vernunft getragenen Hellsehens hinaufzuheben. In wenigen Monaten war der Schüler durch mündlichen Unterricht mit der unvergleichlichen Tiefe und Schönheit der esoterischen Zusammenschau bekannt geworden.“

Steiner sagt über diese Zeit seines 21. Lebensjahres:RS Student

„Eine geistige Schauung stellte sich vor meine Seele hin, die nicht auf einem dunklen mystischen Gefühl beruhte. Sie verlief vielmehr in einer geistigen Betätigung, die an Durchsichtigkeit dem mathematischen Denken sich voll vergleichen ließ. Ich näherte mich der Seelenverfassung, in der ich glauben konnte, ich dürfte die Anschauung von der Geisteswelt, die ich in mir trug, auch vor dem Forum des naturwissenschaftlichen Denkens gerechtfertigt halten.“

Im Herbst empfiehlt ihn Prof. Karl Julius Schröer dem Prof. Joseph Kürschner in Weimar, von dem er eingeladen wird, Goethes naturwissenschaftliche Schriften in der von ihm, Kürschner, herausgegebenen Deutschen Nationalliteratur herauszugeben. Somit beginnt für Rudolf Steiner eine langjährige Goetheforschung.

Im Oktober 1883 verlässt Steiner ohne Abschlussexamen und ohne seine Studien beendet zu haben die Technische Hochschule Wien.

Wiener Jahre 1884-1890

Ab Juni nimmt er als Lehrer und Erzieher im Haus von Ladislaus Specht eine Stelle an, die ihm eine überaus wichtige praktische pädagogische Tätigkeit bietet. Sie wird für ihn zu einer

„… reichen Quelle des Lernens.“

Die Spechts haben drei Kinder, von denen eines nicht am normalen Geschehen teilhaben kann. Es ist dies Otto, der einen sogenannten Wasserkopf (Hydrozephalus) hat.

Als sich Rudolf Steiner bei den Eltern nach ihm erkundigt, zeigen diese ihm ein Heft mit krakeliger Aufschrift OTTO, das ansonsten von der ersten bis zur letzten Seite durchradiert ist. Auf die Frage der Eltern, ob R. Steiner nicht etwas mit ihm machen könne, erbittet er sich Bedenkzeit. Steiner beobachtet und studiert Otto.

Er stellt den Eltern strikte Bedingungen, auf die sie eingehen müssen, wenn er mit Otto arbeiten soll. Die Spechts sind einverstanden. In der Folge stellt Rudolf Steiner die Ernährungsgewohnheiten und Schlafgewohnheiten Ottos um, teilt den Tagesablauf strikt ein und bestimmt, wann und welche Menge Wasser Otto trinken darf.

Und es gelingt, Otto „wacht auf“ und nimmt bewusst am Leben teil. Er schließt nicht nur die Grundschule ab, sondern auch daran anschließend selbständig eine höhere Schule, und Otto studiert erfolgreich Medizin. Er erhält dann keine Wehrdienstbefreiung und fällt im Weltkrieg.

Auch die Frau des Hauses, Pauline Specht, wird ihm zu einer Vertrauensperson, bei der er das Bedürfnis empfindet, mit ihr alles, was für ihn bedeutsam ist, zu besprechen. Er knüpft auch gesellschaftliche Kontakte und kann so eigene Arbeiten und Studien fördern.

1885 – Steiner setzt seine Arbeiten und Studien fort und knüpft Freundschaft mit Radegunde und Walter Fehr. 1886 – Es erschließt sich ein neuer Menschenkreis, zu dem auch Theologen gehören, die ihm die Lektüre der Philosophie des Aristoteles und des Thomas von Aquin empfehlen.

Das Buch Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung ist abgeschlossen, und es enthält bereits den wichtigen Grundgedanken von Steiners Freiheitsphilosophie. Im Juni sagt er zu, im Goethe-Archiv in Weimar mitzuarbeiten.RS Junger Mann

1887 – Anfang des Jahres erkrankt Rudolf Steiner schwer. Alle Arbeiten liegen. Er wird im Hause Specht bis zu seiner Genesung liebevoll gepflegt. 1888 – Zu allen Arbeiten übernimmt Steiner eine weitere Tätigkeit, inoffiziell, die Redaktion der Deutschen Wochenschrift1889 ist das Jahr, in dem Steiner erstmals ausgedehnte Reisen in eine Vielzahl von Städten unternimmt und dort auch Vorträge hält. Dazu wird bei seinem Aufenthalt in Berlin auch ein Arbeitsplan für seine Mitarbeit am Goethe-Archiv festgelegt. Gegen Ende des Jahres bekommt Steiner Kontakte zum Kreis der Wiener Theosophen. Er verbringt viele Stunden dort, sagt dem aber für viele Jahre ab und widmet sich seiner Freiheitsphilosophie. In der Zeit beschäftigen ihn auch immer öfter Fragen über das Rätsel wiederholter Erdenleben.

„Ich hatte gerungen mit dem Rätsel der wiederholten Erdenleben des Menschen. Manche Anschauung in dieser Richtung war mir aufgegangen, wenn ich Menschen nahegetreten war, die in dem Habitus ihres Lebens, in dem Gepräge ihrer Persönlichkeit unschwer die Spuren eines Wesensinhaltes offenbaren, den man nicht in dem suchen darf, was sie durch die Geburt ererbt und seit dieser erfahren haben.“

Im März 1890 lernt er Rosa Mayreder kennen und tauscht in seiner Einsamkeit, die er mit ihr teilt, seine Gedanken mit ihr aus. Eine Erlösung von seiner Einsamkeit findet er auch durch Goethes Werke, in denen er viele seiner Gedanken wieder erkennt.RS 30-Jährige

Im Sommer beginnt er an seiner Dissertation zu arbeiten, die später unter dem Titel Wahrheit und Wissenschaft veröffentlicht wird. Im September übersiedelt Rudolf Steiner nach Weimar, um dort mit der Arbeit im Goethe-Schiller-Archiv zu beginnen. Weimar bleibt sein Wohnsitz bis 1897.

Die Weimarer Zeit 1890 – 1897

Im September beginnt er seine Arbeit. „Ich bin hier gut empfangen worden.“ 1891 – Nach dem Reiz des Neuen meint er zu seiner Arbeit im April bereits: 

„Allein das archivarische Arbeiten, das den Geist dumpf macht, erzeugt bei mir eine geistige Unbehaglichkeit, die mich fast jeder Schreiblust beraubt.“

Seit Oktober arbeitet Steiner an der Philosophie der Freiheit, die sein philosophisches Hauptwerk darstellt. Am 26. Oktober erfolgt die offizielle Promotion zum Doktor der Philosophie. 

Steiner studiert ab November „…die Philosophie des Mittelalters, das Kapitel, in dem ich mein Wissen doch immer als lückenhaft bekannt habe. Wenn ich da ganz heimisch bin, dann schließen sich mir die großen Massen des Wissens, das Altertum und die Neuzeit, in denen ich mich ganz fest glaube, in eins zusammen, und dann erst darf ich sagen, dass ich den Boden unter meinen Füßen ganz sicher fühle.“

Immer intensiver spürt er die bedrückenden Arbeitsverhältnisse und seine Einschränkung durch die Kleinlichkeit der Arbeit und des Vorgesetzten. Zu seinen Tätigkeiten kommt noch, dass er sich dem Verlag Cotta gegenüber verpflichtet, die Werke Schopenhauers und Jean Pauls herauszugeben. Im Sommer bezieht er eine neue Wohnung bei  „… Frau Anna Eunike, mit der ich bald innig befreundet wurde.“

1893Steiner erfreut sich in vielen Städten immer größerer Beliebtheit als Vortragender und bemüht sich zunehmend um eine Professur für Philosophie an der Wiener Technischen Hochschule. Die Zunahme der antisemitischen Stimmung, die sich im Wahlergebnis der Reichstagswahlen widerspiegelt, kommentiert Steiner: „Durch die letzte Wahl hat sich eine Zunahme an Rohheit und Unverstand in den Massen gezeigt, die ich wahrhaft erschreckend finde.“ 

1894 – Zum Werk Philosophie der Freiheit kommen die unterschiedlichsten Reaktionen, allerdings geht nichts voran.

„… dass ich mich seit der `Freiheitsphilosophie` und seit meinem vorjährigen Wintervortrag noch mehr als früher kaltgestellt fühle.“

Auch seine Absichten nach Wien zu gehen, werden durchkreuzt. „Nun aber steht dem entgegen, dass ich hier einen Mann zum Vorstand habe, der seit Jahren bemüht ist, mich als Null erscheinen zu lassen. … Jetzt, wo die Erbitterung seiner Beamten einen Kulminationspunkt erreicht hat, sagen mir diese, was dieser Mann hinter meinem Rücken gegen mich sagt. Ich weiß jetzt, dass ich in dem Augenblick, da ich hierher ging, verraten und verkauft war. Ich muss die Weimarer Jahre einfach für verloren geben.“

1896 – Im Inneren ist diese Zeit eine sehr aktive. „Mein Beobachtungsvermögen für Dinge, Wesen und Vorgänge der physischen Welt gestaltete sich nach der Richtung der Genauigkeit und Eindringlichkeit um. Das war sowohl im wissenschaftlichen wie im äußeren Leben der Fall. Während es für mich vorher so war, dass große wissenschaftliche Zusammenhänge, die auf geistgemäße Art zu erfassen sind, ohne alle Mühe mein seelisches Eigentum wurden und das sinnliche Wahrnehmen und namentlich dessen erinnerungmäßiges Behalten mir die größten Anstrengungen machte, wurde jetzt alles anders. Eine vorher nicht gekannte Aufmerksamkeit für das Sinnlich-Wahrnehmbare erwachte in mir.“

Im Sommer stellt Rudolf Steiner den letzten Band der Ausgabe von Goethes naturwissenschaftlichen Schriften für die Deutsche National-Literatur fertig und beginnt mit der Arbeit an Goethes Weltanschauung.  

Rudolf Steiner beginnt seine Tätigkeit für das Magazin für Literatur und zieht 1897 nach Berlin um. In diesem Organ setzt er sich wöchentlich für die nächsten dreieinhalb Jahre mit einer Vielzahl von öffentlichen und geistigen Themen auseinander. Er sitzt im Vorstand der Freien Literarischen Gesellschaft, besucht zahlreiche Theatervorstellungen, schreibt Kritiken und steht damit mitten im künstlerischen Leben. 

1898 – Dieses Jahr ist geprägt durch seine publizistische Tätigkeit. Oft vertritt er eine eigene, von anderen abweichende Meinung, was ihm auch einigen Ärger einträgt. So lehnt er Schillers Idee, die Kunst verfolge moralische Ziele, ab. So ist er überzeugt von der Unschuld des allerorts als Vaterlandsverräter bezeichneten Hauptmanns Dreyfus.  

1899 – Neue Arbeitsfelder treten in seinen Tätigkeitsbereich. Er ist bis 1904 als Dozent an der Arbeiterbildungsschule tätig, wo er erst Geschichte, später auch Redeübungen und Ausdruck in Kursform unterrichtet. Im Mai desselben Jahres nehmen Ernst Haeckel und Rudolf Steiner wieder Kontakt auf und arbeiten gemeinsam an einer Aufsatzreihe über die Wissenschaftler.

„Wir müssen den Mut haben, kühn in das Reich der Ideen einzudringen, auch auf die Gefahr des Irrtums hin. Wer zu feig ist zu irren, der kann kein Kämpfer für die Wahrheit sein.“

Am 31.Oktober heiraten Rudolf Steiner und Anna Eunike. 

Ab 1901 beginnt seine Vortragstätigkeit innerhalb der Theosophischen Gesellschaft (insgesamt hält R. Steiner über 6000 Vorträge in ganz Europa). 1913 trennt er sich von dieser, um in der von seinen Anhängern gegründeten Anthroposophischen Gesellschaft weiter zu wirken. Das Ziel dieser Gesellschaft charakterisiert Rudolf Steiner mit folgenden Worten: 

„Anthroposophie ist ein Erkenntnisweg, der das Geistige im Menschenwesen zum Geistigen im Weltall führen möchte.“

In dieser Zeit untersucht Steiner sowohl die östliche Esoterik der Theosophie als auch das Christentum, und er erarbeitet in seiner Anthroposophie eine esoterische – auf Erkenntnis gegründete – Christologie. In Dornach (Schweiz) entsteht als Zentrum der Gesellschaft ein hölzerner Doppelkuppelbau, das erste „Goetheanum“, das 1922 einem Feuer zum Opfer fällt. 1923 wird die Anthroposophische Gesellschaft unter Steiners Leitung neu gegründet, und das zweite „Goetheanum“ entsteht.

 

Goetheanum

 

Ab Beginn des Ersten Weltkrieges wendet Rudolf Steiner sein Interesse immer mehr politischen, soziologischen und sozialkritischen Fragen zu. Zugleich erarbeitet er eine Terminologie und entwickelt seine Theorie von Reinkarnation und Karma bis zu konkreten Angaben über bestimmte Personen. Diese zeitigt wichtige Auswirkungen auf jeden Menschen, der darüber denkt. 

„Von allem, was er tut, weiß er, dass es sich eingliedert in einen Strom, der von Ewigkeit zu Ewigkeit fließt.“

„Das Verantwortungsgefühl gegenüber dem Leben wächst“

„Erkenntnis ohne das Ziel der Menschenveredelung ist nur Befriedigung höherer Neugierde.“RS Totenmaske

Im Jahr 1924 entwickelt Rudolf Steiner eine außergewöhnlich aktive Vortragstätigkeit, aus gesundheitlichen Gründen muss er diese jedoch im September einstellen. 

Rudolf Steiner stirbt am 30.3.1925 in Dornach in der Schweiz.

 

Autor: Josef Buchmayr / Diplompädagoge 

 

 

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